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KI und Führung: Nicht auf alle Fragen eine Antwort haben

25. Okt.
2 Min. Lesezeit
Grafik zur Reihe „Führung in Zeiten von KI", Beitrag 1: „Nicht auf alle Fragen eine Antwort haben", mit Logo und Porträt von Marion Staron.

Neulich erzählte mir eine Führungskraft, dass sie zunehmend Fragen und Kommentare zu inhaltlichen Themen bekommt, die es in dieser Form früher kaum gab. Sie entstehen durch den Einsatz von KI, nicht nur in den Projekten des eigenen Teams, sondern auch bei anderen Stakeholdern und Kunden. Was früher selten vorkam, passiert heute regelmäßig. Und sie merkt: Auf viele Fragen habe ich plötzlich nicht sofort eine Antwort, und manche Kommentare kann ich kaum einordnen.

Viele Führungskräfte sind intellektuell beweglich, denken schnell und filtern die wichtigen Punkte oft in Sekunden heraus. Und über Jahre haben sie gelernt, dass sie Antworten haben. Wenn diese Selbstverständlichkeit wegbricht, trifft das nicht nur die Sache, sondern das eigene Selbstbild.

Die interessante Frage ist: Was macht das mit deinem Selbstbild als Führungskraft? Wie reagierst du innerlich auf diese neue Erfahrung? Wirst du unruhig, weil du die Antwort nicht weißt? Bleibst du entspannt? Fühlst du Druck?

Und was ist dein erster Handlungsimpuls, wenn vermehrt Dokumente ankommen, die deutlich tiefer gedacht sind, als du sie im Detail schnell nachvollziehen kannst, und ist dieses Reaktionsmuster hilfreich oder eher hinderlich?

Hast du den Impuls, dich fachlich in das Thema (mit KI) zu vertiefen, weil das alte Selbstbild sagt: Ich muss wissen, wo es langgeht? Oder hast du den Impuls, deine Mitarbeiter:in anzurufen, zu sagen, wie beeindruckt du von ihren Fragen bist, und von deiner neuen Erfahrung zu berichten, dass du nicht sofort eine Antwort parat hast?

Dabei geht es nicht nur um den eigenen Umgang mit der Lücke. Es geht auch darum, was Führung dem Team damit vorlebt.

Nicola Madjno und ich haben in unseren Artikel „Führung in der KI-Ära“ dazu bereits geschrieben. Führung, die „alles im Griff" spielt, wirkt kurzfristig beruhigend, wird mittelfristig aber unglaubwürdig. Wenn auf allen Ebenen der Organisation unweigerlich ein notwendiger Lernprozess in Gang gesetzt wird, hat Führung die Aufgabe, dies selbst vorzuleben.

Gerade im Zusammenhang mit KI werden nicht nur die Führungskräfte, sondern auch die Teammitglieder viele neue Erfahrungen sammeln, die sich zunächst ungewohnt, wenn nicht sogar unangenehm oder verunsichernd anfühlen. Da hilft es, wenn die Führungskraft das offen anspricht und damit signalisiert: Wir befinden uns in einem Lernprozess. Lernen ist normal.

Nach der Harvard-Professorin Amy Edmondson stärkt die Führungskraft bei ihren Teams dadurch sogar das Gefühl von psychologischer Sicherheit, weil sie sich selbst als Lernende zeigt und damit die Lernoffenheit im Team fördert.

Drei Fragen für die Reflexion im Alltag

  1. Was macht diese Erfahrung innerlich mit dir?

  2. Wie sieht dein erster Handlungsimpuls aus, und woher kommt er (welcher Glaubenssatz steckt dahinter)?

  3. Was leitest du daraus ab für dein Führen?

Vielleicht geht es gar nicht darum, auf alles eine Antwort zu haben. Vielleicht geht es eher darum, die Lücke auszuhalten, ohne sie sofort zu schließen. Das ist unbequem, aber oft genau der Moment, in dem man mit dem Team in Veränderungsprozessen wirklich weiterkommt. Wer sich dabei erlaubt, selbst noch zu lernen, gibt anderen die Erlaubnis, es auch zu tun.

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